Die Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 in Versailles, unmittelbar nach dem Krieg gegen Frankreich, war mit mindestens einem grundlegenden politischen Fehler verbunden. Die dadurch in Frankreich ausgelösten Revanchegedanken hätten sich möglicherweise durch größeres diplomatisches Geschick abschwächen lassen. Zugleich wurde Elsass-Lothringen wieder dem Reich angegliedert. Obwohl die Region mehrheitlich deutschsprachig war, gehörte sie seit dem frühen 18. Jahrhundert (Vertrag von 1714) politisch zu Frankreich.
Wirtschaftlicher Aufschwung bis 1914
Bedingt durch die preußischen Reformen nach 1806 war die Verwaltung der Hohenzollern allen anderen Verwaltungen überlegen und wurden nach 1871 im gesamten Deutschen Reich eingeführt. Dies führte zum einem Gründungsboom und bedingt durch die neue Einheit zum Aufstieg der deutschen Volkswirtschaft.
Da Russland unter Bismarck als wichtiger Partner betrachtet wurde, dessen Interessen berücksichtigt werden mussten, entstand auf dem europäischen Kontinent eine wirtschaftliche und politische Machtkonstellation, die in Großbritannien zunehmend Befürchtungen im Sinne der „Balance of Power“-Doktrin auslöste. Nach dieser außenpolitischen Leitvorstellung sollte verhindert werden, dass eine einzelne Macht Europa dominiert; Frankreich und Deutschland sollten daher möglichst einander die Waage halten.
In der Zeit nach Bismarck wurden russische Interessen von deutscher Seite zunehmend vernachlässigt. Dadurch eröffnete sich Großbritannien die Möglichkeit, eine neue Bündnispolitik zu verfolgen. In der Folge entstand gemeinsam mit Frankreich und Russland ein Bündnissystem, das dem Deutschen Reich im Ersten Weltkrieg schließlich militärisch und wirtschaftlich überlegen war.
Nach Versaille zu unabhängiger Wirtschaftspolitik
Alle Regierungen der Weimarer Republik bemühten sich, die Bestimmungen des Versailler Vertrags schrittweise zu lockern oder zu revidieren. Die ursprünglich nach oben offene Reparationsforderung wurde 1929 im Rahmen des Young-Plans auf 112 Milliarden Goldmark festgelegt, zahlbar bis 1988. Nach der Weltwirtschaftskrise verzichteten die Alliierten auf der Konferenz von Lausanne im Jahr 1932 weitgehend auf weitere Reparationsforderungen. In der Folge stellte Deutschland die Zahlungen 1934 endgültig ein.
In heutigen Geschichtsdarstellungen gilt das Jahr 1936 vielfach als Beginn der systematischen deutschen Kriegsvorbereitungen. Damit verbunden war eine wirtschaftspolitische Ausrichtung, die gegenüber dem Ausland von restriktiven Maßnahmen geprägt war. Im Inland wiederum wurde die Kaufkraft der Bevölkerung zunehmend zugunsten der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung abgeschöpft.
Nach dem 2. Weltkrieg
Deutschland sollte durch Demilitarisierung „als ein aggressiven Staat [militärisch] maximal unschädlich gemacht werden. Ziel war die Einbindung in die Interessen einer europäischen Wirtschaft und die Dekartellierung Deutschlands. Ein Wiederaufstieg zur Vormacht Europas sollte verhindert, die deutsche industrielle Autarkie gebrochen werden. Ein landwirtschaftlicher Protektionismus ebenso wie diskriminierende Handelspraktiken sollten unterbunden und sein Potential zur „Rekonstruktion Europas“ genutzt werden.
All die oben genannten Ziele wurden im Rahmen der Europäischen Union umgesetzt. Insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren gelang es, die bestehenden Kartellstrukturen aufzubrechen und das deutsche Bildungssystem nachhaltig zu schwächen. Dennoch entwickelte Deutschland nach 2010 innerhalb der EU eine wirtschaftliche und politische Stärke, die faktisch zu einer Führungsrolle innerhalb der Union führte.
Mit der Pandemie „Corona“ sowie der Abkopplung von den russischen Rohstoffmärkten wurde ein Prozess der Deindustrialisierung eingeleitet, der unter den Regierungen Scholz und Merz weiter beschleunigt wurde beziehungsweise wird.
Ob es dem politischen System Deutschlands jemals gelingt, eine Führungspersönlichkeit oder eine Führungsmannschaft hervorzubringen, das die Interessen Deutschlands nach innen und außen mit entschlossener, zugleich besonnener Hand vertritt, steht in den Sternen. Ein Bismarck alle zweihundert Jahre lässt nur wenig Hoffnung aufkommen.


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