Im Vorfeld des bayerischen AfD Landesparteitages (LPT) wurden Busse organisiert, Hotelzimmer gebucht und Mitglieder geworben. Den Mitgliedern wurde die Bedeutung der kommenden Vorstandswahlen verdeutlicht und zwei vermeintliche Lager taten Alles, um möglichst viele Anhänger nach Passau zu bringen.
Mehrere Rundbriefe mit gegenseitigen Vorwürfen verdeutlichten den Mitgliedern bestehende Problemfelder und bis zu 1.400 Mitglieder kamen nach Passau, um bei den Vorstandswahlen mitzuwirken.
Nach den üblichen Politikspielchen, die mehr an den Sandkasten erinnern, als an eine Gemeinschaft von Deutschlandrettern begann mit einer Stunde Verspätung der Parteitag in der Dreiländerhalle in Passau. Mit den formalen Wahlen von Versammlungsleiter, Wahlleiter, Zählkommission und Verabschiedung der endgültigen Tagesordnung begann das übliche Abtasten, sprich es wurde versucht die anwesenden Mehrheitsverhältnisse zu ermitteln, startete der LPT.
Gegen 13:00 war die Tagesordnung beschlossen und es konnte los gehen. Unerwartet eindeutig wollten die Mitglieder vom amtierenden Landesvorsitzenden Stephan Protschka und nicht von einem Team aus dem Landesvorstand den Rechenschaftsbericht erhalten. Nach Abschluß der Rechenschaftsberichte und Beantwortung der Mitgliederfragen setzten die Mitglieder die Einzelentlastung der Vorstandsmitglieder durch.
Diese Einzelentlastung fiel für viele überraschend aus. Gerade die gegen den Landesvorsitzenden opponierenden Landesvorstände wurden mit deutlichen Ergebnissen nicht entlastet und damit kippten alle Erwartungen an den Parteitag.
Ein bisher der Opposition zugehöriger Landespolitiker schlug den bisherigen Landeschef auch als zukünftigen Landesvorsitzenden vor und ermöglichte damit ein Parteitagsergebnis was niemand für möglich gehalten hatte.
In der Folge wurde ein Konsensvorstand gewählt der, für die AfD eher ungewöhnlich, weitgehend auf Gegenkandidaten verzichtete und auch keinerlei Schuldzuweisungen mehr zuließ.
Wenig überrraschend regierten die Medien auf diese Wendung sehr unflexibel. Die meisten Medien berichten über den innerparteilichen Wahlkampf und zeichnen das Bild einer AfD-Bayern, die intern stark zerstritten ist. Die Berichte betonen tiefe Gräben innerhalb des Landesverbands und sprechen von einer Auseinandersetzung um Einfluß und Kontrolle der Partei. Die Medien sehen einen Sieg des bisherigen Machtzentrums und keine Befriedung der Partei. Es wird eine innere Instabilität unterstellt und die Vorstandswahl als Ergebnis eines Machtkampfes dargestellt.
Die Teilnehmer selbst erlebten einen anderen Parteitag. Die im Vorfeld für die Mobilisierung der Mitglieder eingesetzten Ressourcen der Mandatsträger wirkten, verloren nach den Rechenschaftsberichten aber an Bedeutung.
Die Mitglieder bewerteten die Kandidaten nach ihren Leistungen, ihrem Auftreten und ihrer Rolle in den vorangegangenen Konflikten und die Niederlagen einzelner Kandidaten schuf neue Mehrheiten .
Dadurch wurde der Konflikt nicht weiter eskaliert, sondern der Raum für einen breiter akzeptierten Vorstand größer und der Landesvorsitzende nutzte dieses Zeitfenster.
Statt die Siegerseite maximal auszureizen, konnte er einen Vorstand präsentieren, der für viele Strömungen akzeptabel war und deshalb mehrheitsfähig wurde. D.h. es fand ein Prozeß der innerparteilichen Selbstkorrektur statt. Die Mitglieder haben einzelnen Akteuren die Gefolgschaft verweigert, ohne den Landesverband insgesamt weiter zu polarisieren.
Wir werden sehen, ob dieser Konsensvorstand die Erwartungen der Mitglieder, die in aller Regel auch ehrenamtliche Wahlkämpfer sind, in Bezug auf:
- Kommen Plakate rechtzeitig an?
- Sind die Mengen korrekt geplant?
- Werden Streuartikel und Werbemittel sinnvoll verteilt?
- Funktioniert die Kommunikation zwischen Landesverband, Bezirken und Kreisverbänden?
- Werden Veranstaltungen organisatorisch professionell vorbereitet?
erfüllen kann. Dadurch das Bayern innerhalb kurzer Zeit Europa, Bundestags- und Landtagswahlen organisatorisch vorzubereiten bzw. durchführen muß, wird dieser Vorstand nicht viel Zeit für eine Einarbeitung haben.


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