Wildkraut Artemisia

Wildkraut Artemisia (Einjähriger Beifuß)

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ursprünglich stammt die Pflanze aus China und Zentralasien. Heute wird sie weltweit kultiviert und kommt vereinzelt auch verwildert in Europa vor.

International bekannt wurde Artemisia annua durch den Inhaltsstoff Artemisinin, der seit den 1970er Jahren zur Behandlung schwerer Malaria eingesetzt wird. Dafür erhielt die chinesische Pharmakologin Tu Youyou 2015 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Neben der medizinischen Forschung wird der Einjährige Beifuß als aromatische Gewürz- und Zierpflanze sowie vereinzelt in der traditionellen Pflanzenheilkunde verwendet.

Botanische Merkmale (Artemisia annua)

  • Familie: Korbblütler (Asteraceae)
  • Lebensdauer: einjährig
  • Wuchshöhe: 80–200 cm
  • Blütezeit: Juli bis September
  • Blüten: kleine gelbgrüne Körbchen
  • Blätter: fein mehrfach gefiedert, hellgrün
  • Geruch: intensiv aromatisch, würzig bis kampferartig
  • Samen: sehr klein, mehrere zehntausend pro Pflanze

Verwechslungsgefahr

Am ehesten besteht eine Verwechslung mit

  • Gemeinem Beifuß (Artemisia vulgaris)
  • Wermut (Artemisia absinthium)

Der Einjährige Beifuß besitzt jedoch:

  • deutlich hellgrüne Blattunterseiten (nicht weißfilzig),
  • sehr fein zerteilte Blätter,
  • einen frischen aromatischen Duft,
  • keinen verholzenden Wurzelstock.

Für den Sammler ist die Verwechslungsgefahr bei genauer Betrachtung gering.

Standort und Vorkommen

Der Einjährige Beifuß bevorzugt

  • sonnige Standorte,
  • lockere, nährstoffreiche Böden,
  • warme Sommer.

Er wächst an

  • Wegrändern,
  • Flussufern,
  • Brachflächen,
  • Gärten.

In Deutschland tritt er meist nur vereinzelt verwildert auf und ist keine häufige Wildpflanze.

Sammelzeit

  • Blätter

Juni bis August

  • Blühende Triebspitzen, Blätter

August bis September

  • Samen
  • Tee und Gewürz

September bis Oktober

  • Saatgut gewinnen

Inhaltsstoffe

Der Einjährige Beifuß enthält unter anderem:

  • Artemisinin
  • ätherische Öle
  • Flavonoide
  • Phenolsäuren
  • Bitterstoffe
  • Cumarine
  • Terpene

Der Gehalt an Artemisinin schwankt je nach Sorte, Standort und Erntezeit erheblich.

Heilkundliche Bedeutung

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird Artemisia annua seit über 2.000 Jahren beschrieben. In der westlichen Welt betrachtet die Pharmaindustrie die Pflanze als Bedrohung. Entsprechende Studien fehlen daher notwendige Forschungsmittel und die WHO äußert sich sehr verhalten.

Heute ist wissenschaftlich besonders gut belegt:

  • Ausgangsstoff moderner Malariamedikamente (Artemisinin-Derivate).
  • Untersucht werden außerdem mögliche Wirkungen gegen verschiedene Erkrankungen, darunter bestimmte Parasiten sowie entzündliche Prozesse. Für viele dieser Anwendungen reichen die bisherigen Studien jedoch nicht aus, um eine Wirksamkeit zu belegen. Daher werden sie derzeit nicht als gesicherte medizinische Anwendungen empfohlen.
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt bei Malaria keinen Tee aus Artemisia annua als Ersatz für zugelassene Medikamente. Hintergrund ist unter anderem die Gefahr einer unzureichenden Wirkstoffaufnahme und die mögliche Förderung von Resistenzen. Stattdessen werden standardisierte Artemisinin-Kombinationstherapien (ACT) eingesetzt.

Verwendung in der Küche

Die jungen Blätter können verwendet werden:

  • Kräuterbutter
  • Salate
  • Kräuterquark
  • Kräuteressig
  • Kräuteröl

Durch die ausgeprägten Bitterstoffe sollte die Dosierung zurückhaltend erfolgen.

Konservierung

Geeignet sind:

  • Trocknen
  • Einfrieren
  • Herstellung von Kräuteröl
  • Essigauszüge

Beim Trocknen sollte möglichst schonend und lichtgeschützt gearbeitet werden.

Kulturgeschichte

  • Bereits in chinesischen Handschriften aus dem ersten Jahrtausend wird die Pflanze beschrieben.
  • 1972 gelang chinesischen Forschern die Isolierung des Wirkstoffes Artemisinin.
  • Seitdem zählt Artemisia annua zu den weltweit wichtigsten Arzneipflanzen im Kampf gegen Malaria. Millionen Behandlungen beruhen auf daraus entwickelten Arzneimitteln.

Volksglaube und Brauchtum

Im Gegensatz zum Gemeinen Beifuß besitzt der Einjährige Beifuß in Europa kaum eine volkstümliche Tradition.

In Asien wurde er dagegen seit Jahrhunderten als Heilpflanze geschätzt.

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse

Die Forschung beschäftigt sich unter anderem mit:

  • Verbesserung des Artemisinin-Gehalts durch Züchtung,
  • nachhaltigem Anbau,
  • biotechnologischer Herstellung des Wirkstoffs,
  • möglichen weiteren pharmakologischen Eigenschaften.
  • Viele Labor- und Tierstudien liefern interessante Hinweise. Für zahlreiche Anwendungen beim Menschen fehlen jedoch noch belastbare klinische Nachweise.

Vorsichtsmaßnahmen

  • Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Artemisia annua nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden.
  • Menschen mit Allergien gegen Korbblütler sollten vorsichtig sein.
  • Bei ernsthaften Erkrankungen ersetzt die Pflanze keine ärztlich empfohlene Therapie.
  • Zugelassene Artemisinin-Arzneimittel sollten nur entsprechend der ärztlichen Verordnung eingenommen werden.

Zusammenfassung

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) zählt zu den bedeutendsten Heilpflanzen der modernen Medizin. Seine historische Verwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin führte zur Entdeckung des Wirkstoffs Artemisinin, der die Behandlung der Malaria grundlegend verändert hat. Gleichzeitig wird die Pflanze als aromatisches Würzkraut geschätzt. Viele weitere gesundheitliche Wirkungen werden erforscht, sind angeblich aber nicht ausreichend belegt. Für den heimischen Garten ist Artemisia annua eine interessante, dekorative und duftende Pflanze, deren Einsatz als Heilpflanze von der Schulmedizin mit Mißtrauen betrachtet wird.


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