Beim Portulak gibt es eine Besonderheit: Man sollte zwischen dem Sommer-Portulak (Portulaca oleracea), der als Wildkraut wächst, und dem Winterportulak (Claytonia perfoliata), auch Postelein oder Kubaspinat genannt, unterscheiden. Hier wird der eigentliche Wild-Portulak beschrieben.
Steckbrief (Portulaca oleracea)
- Familie: Portulakgewächse (Portulacaceae)
- Volksnamen: Burzelkraut, Gemüse-Portulak, Sommerportulak, Tellerkraut
- Lebensdauer: einjährig
- Höhe: 5–30 cm
- Blüte: Juni bis September
- Blütenfarbe: gelb
- Standorte: Gärten, Weinberge, Äcker, Wegränder, Schuttplätze, sonnige und warme Böden
- Verbreitung: weltweit; ursprünglich vermutlich aus Vorder- oder Zentralasien
Erkennungsmerkmale
Portulak ist kaum mit heimischen Giftpflanzen zu verwechseln.
Kennzeichen:
- rötlich bis rotbraune, kriechende Stängel
- fleischige, glatte Blätter
- spatelförmige bis rundliche Blätter
- kleine gelbe Blüten
- bildet flache, teppichartige Bestände
- Blätter und Stängel sind saftig und knackig
Merksatz: „Roter Stängel – dickes Blatt – Portulak satt.“
Verwechslungsgefahr
Sehr gering.
Allenfalls Verwechslungen mit:
jungen Wolfsmilcharten (Euphorbia spp.)
Unterschied:
- Wolfsmilch enthält einen weißen Milchsaft.
- Portulak besitzt keinen Milchsaft.
- Außerdem sind Wolfsmilch-Arten deutlich dünnblättriger.
Sammelzeit
Frühjahr (Mai–Juni)
Die ersten jungen Pflanzen erscheinen.
Jetzt sind sie besonders:
- zart
- mild
- knackig
Sommer (Juli–August)
- Haupternte.
- Die Pflanze wächst besonders schnell.
- Mehrmaliges Abernten fördert den Neuaustrieb.
Herbst (September–Oktober)
- Bis zum ersten Frost nutzbar.
- Die Blätter bleiben lange saftig.
- Welche Pflanzenteile werden verwendet?
- ✔ Blätter
- ✔ junge Triebe
- ✔ zarte Stängel
- ✔ Samen
Inhaltsstoffe
Portulak zählt zu den nährstoffreichsten Wildgemüsen.
Enthalten sind u. a.:
- Vitamin C
- Vitamin A
- Vitamin E
- Magnesium
- Kalium
- Calcium
- Eisen
- Omega-3-Fettsäuren (insbesondere Alpha-Linolensäure)
- Schleimstoffe
- Flavonoide
- Betalaine (antioxidative Pflanzenfarbstoffe)
Bemerkenswert ist der für eine Landpflanze vergleichsweise hohe Gehalt an Omega-3-Fettsäuren.
Heilpflanze
Bereits in der Antike wurde Portulak geschätzt.
Traditionelle Anwendungen:
- Durstlöscher
- Kühlung bei Hitze
- Unterstützung der Verdauung
- Beruhigung entzündeter Schleimhäute
- leichte Entwässerung
Auch hier gilt: Die traditionelle Verwendung ist gut belegt, klinische Studien zur Wirksamkeit bei bestimmten Erkrankungen sind jedoch begrenzt.
Verwendung in der Küche
Portulak schmeckt:
- frisch
- leicht säuerlich
- leicht salzig
- angenehm nussig
Verwendung:
Roh:
- Salate
- Kräuterquark
- Smoothies
- Sandwiches
Gekocht:
- Suppen
- Gemüse
- Omelett
- Pfannengerichte
- Blanchieren (30–60 Sekunden in kochendem Wasser, anschließend Eiswasser): Farbe und Qualität bleiben bei längerer Lagerung etwas besser erhalten.
Auch sehr gut:
- Pesto, mit Öl, Nüssen und ggf. Käse. Hält sich im Gefrierschrank ebenfalls viele Monate und bewahrt das Aroma oft besser.
- Kräuterbutter
- Wildkräuteraufstriche
Konservierung
- Kühlschrank, nur 2–3 Tage haltbar.
- Feucht einschlagen.
Einfrieren
Gut geeignet.
Empfehlung:
- waschen
- trocknen
- grob schneiden
- portionsweise einfrieren
Für Salate verliert er nach dem Auftauen seine knackige Konsistenz, für Suppen, Gemüse oder Smoothies eignet er sich jedoch weiterhin gut.
Trocknen
- Nicht empfehlenswert. Es gehen verloren: Aroma, Vitamine,Konsistenz
Fermentieren
- Sehr gut geeignet.
- Besonders zusammen mit: Giersch, Brennessel, Vogelmiere
Kräutersalz
- Gut geeignet.
Geschichte
Antike
Portulak war bereits den Ägyptern, Griechen und Römern bekannt.
Er galt als:
- Gemüse
- Heilpflanze
- Durstlöscher
Hippokrates erwähnte Portulak als Heilpflanze; auch Plinius der Ältere und Dioskurides beschrieben seine Verwendung.
Mittelalter
In vielen Kloster- und Bauerngärten angebaut.
Geschätzt als:
- Salat
- Gemüse
- Fastenspeise
Bis etwa 1950
- Selbstverständliches Sommergemüse.
- Vor allem in Süd- und Mitteleuropa weit verbreitet.
Nach 1950
Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft verschwand Portulak weitgehend aus den Gärten und wurde oft nur noch als Unkraut betrachtet.
Seit etwa 1980
Wiederentdeckung durch:
- Naturkostbewegung
- Biolandbau
- Sterneküche
- Wildkräuterseminare
Heute
Portulak erlebt eine Renaissance.
Geschätzt wegen:
- hoher Nährstoffdichte
- Trockenheitsverträglichkeit
- einfacher Kultur
- hervorragendem Geschmack
Angesichts zunehmender Sommerhitze gewinnt die Pflanze auch im Gartenbau wieder an Bedeutung.
Garten
Portulak liebt:
- Sonne
- Wärme
- lockeren Boden
Besonderheiten:
- wächst selbst bei Trockenheit und salzhaltigen Böden
- kaum Pflege notwendig
- sät sich leicht selbst aus. Bis zu 200.000 Samen pro Pflanze.
- ideal für naturnahe Gärten
Interessantes
Portulak gehört zu den sogenannten C4-/CAM-Übergangspflanzen. Je nach Trockenheit kann er seinen Stoffwechsel teilweise umstellen und dadurch Wasser besonders effizient nutzen – eine seltene Fähigkeit unter unseren Wildgemüsen.
Die Samen bleiben jahrzehntelang keimfähig.
Charles Darwin untersuchte die Keimfähigkeit von Portulaksamen.
In vielen Mittelmeerländern gehört Portulak bis heute zur traditionellen Sommerküche.
Hinweise
Portulak enthält Oxalsäure. Menschen mit bestimmten Nierenerkrankungen oder einer Neigung zu Calciumoxalat-Nierensteinen sollten ihn – wie auch Spinat oder Sauerampfer – nur in üblichen Mengen verzehren. Für gesunde Menschen ist er als Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung unproblematisch.
Fazit
Portulak ist ein nahezu vergessenes Wildgemüse mit einer mehr als 2.000-jährigen Kulturgeschichte. Seine fleischigen Blätter, der hohe Gehalt an Vitaminen und Omega-3-Fettsäuren sowie seine außergewöhnliche Trockenheitsverträglichkeit machen ihn zu einer der interessantesten heimischen Wildpflanzen. Frisch geerntet bereichert er Salate und kalte Speisen, lässt sich aber ebenso gut in warmen Gerichten verwenden.
Ein interessantes Video finden Sie hier.


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