Wie die Brennnessel aussieht, weiss fast jeder oder zumindest wie es sich anfühlt wenn man ihr zu nahe kommt. Mit diesem fühlbaren Erkennungsmerkmal ist sie auch eine der einzigen Pflanzen die man, wenn auch nicht gewollt, mit Sicherheit im Dunkeln bestimmen kann. Berührt man die unbeliebte Brennnessel bilden sich sogenannte Quaddeln auf der Haut die sofort zu brennen und zu jucken anfangen. So unbeliebt war sie aber nicht immer…
Brennnessel (Urtica dioica)
Die Große Brennnessel zählt zu den Brennnesselgewächsen (Urticaceae) und gehört zu den nährstoffreichsten heimischen Wildpflanzen. Obwohl sie wegen ihrer Brennhaare oft gemieden wird, ist sie seit Jahrhunderten ein geschätztes Wildgemüse, Heilmittel und Futterpflanze.
Nahezu jeder Teil der Pflanze lässt sich nutzen – von den jungen Trieben über die Samen bis hin zu den Wurzeln.
Botanische Merkmale
- Familie: Brennnesselgewächse (Urticaceae)
- Wissenschaftlicher Name: Urtica dioica
Weitere Namen
- Große Brennnessel
- Donnernessel
- Hanfnessel (regional)
- Saunessel (regional)
- Erkennungsmerkmale
Typisch sind:
- mehrjährige Staude
- Wuchshöhe 50–180 cm
- kräftiger vierkantiger Stängel
- gegenständig angeordnete, dunkelgrüne Blätter
- grob gesägter Blattrand
- Brennhaare an Blättern und Stängeln
- weit verzweigtes Rhizom
- Die unscheinbaren grünlichen Blüten hängen in langen Rispen herab.
Blütezeit
Juni bis Oktober
Standort
- nährstoffreiche Böden
- Waldränder
- Bachufer
- Gärten
- Schuttplätze
- Wegränder
- Auen
Die Brennnessel gilt als ausgeprägter Stickstoffzeiger und wächst besonders üppig auf nährstoffreichen Böden.
Verwendungskalender
| Monat | Junge Triebe | Blätter | Samen | Wurzeln |
| Januar | – | – | – | ★★★ |
| Februar | ★☆☆ | – | – | ★★★ |
| März | ★★★ | ★☆☆ | – | ★★☆ |
| April | ★★★ | ★★★ | – | ★☆☆ |
| Mai | ★★★ | ★★★ | – | – |
| Juni | ★★☆ | ★★★ | ★☆☆ | – |
| Juli | ★☆☆ | ★★☆ | ★★☆ | – |
| August | ★☆☆ | ★★☆ | ★★★ | ★☆☆ |
| September | – | ★☆☆ | ★★★ | ★★☆ |
| Oktober | – | ★☆☆ | ★★☆ | ★★★ |
| November | – | – | – | ★★★ |
| Dezember | – | – | – | ★★★ |
Essbare Pflanzenteile
- junge Triebe
- junge Blätter
- ältere Blätter (gekocht)
- Samen
- Wurzeln (selten als Gemüse)
Besonders geschätzt werden die ersten Frühjahrstriebe.
Geschmack
Die jungen Blätter schmecken:
- leicht nussig
- spinatähnlich
- würzig
- mineralisch
Mit zunehmendem Alter werden sie kräftiger und enthalten mehr Fasern.
Inhaltsstoffe
Sie enthält unter anderem:
- Vitamin C
- Vitamin A (Carotinoide)
- Vitamin K
- Vitamin E
- B-Vitamine
- Eisen
- Calcium
- Magnesium
- Kalium
- Kieselsäure
- Chlorophyll
- Flavonoide
- Gerbstoffe
- Ameisensäure (in den Brennhaaren)
- Histamin und Acetylcholin (ebenfalls Bestandteile des Brennhaarsekrets)
Die genauen Gehalte variieren je nach Standort und Entwicklungsstadium.
Verwendung in der Küche
Die Brennnessel zählt zu den vielseitigsten Wildgemüsen und eignet sich sehr gut für:
- Spinat
- Suppen
- Pesto
- Kräuterbutter
- Smoothies
- Salate (junge Blätter)
- Aufläufe
- Quiches
- Brotteig
- Kräuterkäse
- Tee (getrocknete Blätter)
Vor der Verwendung werden die frischen Blätter durch Rollen, Kneten, kurzes Blanchieren oder Überbrühen von ihren Brennhaaren befreit.
Basische Rezepte mit Brennnessel
Durch ihre nierenanregende und blutbildende Wirkung ist die Brennnessel eine hervorragende Pflanze für basische Rezepte im Rahmen einer Frühjahrskur, um gestärkt und frisch in das neue Jahr zu starten. Auch bei allergischen Erscheinungen, wie Heuschnupfen, wird gerne zur Brennnessel gegriffen. Aber nicht nur im Frühling sollten wir der Brennnessel mehr Aufmerksamkeit schenken, denn im August können wir ihre Früchte, auch Brennnesselsamen genannt, nutzen. Diese gelten als regelrechtes Kraftfutter, da sie voller wertvoller Inhaltsstoffe wie Pflanzenöle, Vitamin E, Phytosterine und viele Mineralien stecken. Diese stärken den Körper und helfen bei Antriebslosigkeit. Verwenden kann man die leicht nussig schmeckenden Samen sehr vielseitig.Ob roh oder geröstet über das Müsli gestreut, in Brot eingebacken oder als Pesto verarbeitet sind nur einige Beispiele für basische Rezepte mit Brennnessel.
Wie aber kommt man an die Brennnesselsamen? Man kann sie in Kräuterfachgeschäften erwerben oder am besten selbst sammeln. Wer die Brennnesselsamen selbst ernten will muss aber eins wisse: Die Brennnessel ist eine zweihäusige Pflanze, das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Die Brennnesselsamen befinden sich nur auf der weiblichen Pflanze. Mit einem geschulten Auge lassen sich die beiden anhand ihrer Blütenstände gut unterscheiden. Die männlichen Blütenstände stehen meist waagrecht und sehen zerrupft aus, die weiblichen Blütenstände dagegen hängen herab.
Zubereitung
Ihr wollt euch kulinarisch mal an Brennnessel ran trauen? Ein Beispiel für basische Rezepte mit Brennnessel ist das leckere Knäckebrot.
Konservierung
- Einfrieren
- Blanchieren
- Trocknen
- Fermentieren
- Pesto herstellen
Samen können trocken gelagert werden.
Volksheilkunde
Traditionell wurde die Brennnessel verwendet bei:
- Frühjahrskuren
- Gelenkbeschwerden
- Rheuma
- Harnwegsbeschwerden
- Unterstützung der Harnausscheidung
- Hautproblemen
folgende Wirkungen werden der Brennnessel zugeschrieben:
- harntreibend
- stoffwechselanregend
- blutreinigend
- blutdrucksenkend
- cholesterinsenkend
- immunstärkend
- entzündungshemmend
Früher nahmen sich Personen den Abwehrmechanismus der Brennnessel sogar zu Hilfe, um Schmerzen zu reduzieren. Damit ist die Urtikation gemeint, eine frühere Behandlungsmethode bei Ischias-, Rheuma- und Athroseschmerzen. Dazu wurde ein Bündel frisch geschnittener Brennnessel auf die schmerzende Stelle geschlagen. Die Durchblutung der Haut wurde durch die Inhaltsstoffe der Brennhaare angeregt und die Schmerzen sollten nachhaltig gelindert werden. Heutzutage stellt das Einreiben mit Brennnesselspiritus eine nicht so schmerzvolle Alternative mit ähnlicher Wirkung dar.
Heute sind Brennnesselblätter und -wurzel Bestandteile verschiedener pflanzlicher Arzneimittel. Für bestimmte Anwendungsgebiete – etwa zur unterstützenden Durchspülung der Harnwege oder bei Beschwerden im Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung (Wurzel) – liegen wissenschaftliche Untersuchungen vor.
Bedeutung für Tiere
Die Brennnessel gehört zu den ökologisch wertvollsten Wildpflanzen Europas. Sie dient zahlreichen Schmetterlingsarten als Futterpflanze, darunter:.
- Tagpfauenauge
- Kleiner Fuchs
- Admiral
- Landkärtchen
- C-Falter
Außerdem bietet sie Nahrung für:
- Wildbienen
- Schwebfliegen
- Käfer
- zahlreiche Singvögel
Die Samen werden im Herbst von Finken und anderen Körnerfressern aufgenommen.
Verwechslungsgefahr
Junge Brennnesseln können oberflächlich an Taubnesseln erinnern. Taubnesseln besitzen jedoch keine Brennhaare und tragen auffällige weiße, gelbe oder purpurfarbene Blüten.
Giftige Doppelgänger sind bei sicherer Bestimmung praktisch nicht bekannt.
Kulturgeschichte
Die Brennnessel begleitet den Menschen seit der Steinzeit. Archäologische Funde belegen ihre Nutzung als Nahrung und Faserpflanze. Aus ihren langen Bastfasern wurden Seile, Netze und Gewebe hergestellt, bevor Flachs und später Baumwolle diese Rolle weitgehend übernahmen.
In der Volksmedizin Europas spielte die Brennnessel über Jahrhunderte eine bedeutende Rolle. Auch in Notzeiten, etwa während der Weltkriege, wurde sie wieder verstärkt als Gemüse genutzt. Seit den 1980er-Jahren erlebt sie im Zuge der Wildkräuterbewegung eine Renaissance und wird heute sowohl in der Naturküche als auch in der modernen Pflanzenheilkunde geschätzt.
Garten
Viele Gärtner entfernen Brennnesseln konsequent. Dabei erfüllen sie wichtige Funktionen:
- Lebensraum für zahlreiche Insekten
- Futterpflanze für Schmetterlinge
- Grundlage für Brennnesseljauche
- wertvoller Mulch
- Kompostbeschleuniger
- tief wurzelnde Bodenverbessererin
- Ein kleiner Brennnesselbestand in einer ungestörten Gartenecke fördert die Artenvielfalt erheblich.
Interessantes
- Eine Brennnessel kann mehrere zehntausend Samen bilden.
- Die Brennhaare wirken wie feine Injektionsnadeln und geben bei Berührung ein Gemisch verschiedener Stoffe in die Haut ab, das das typische Brennen verursacht.
- Aus den Fasern wurden früher Kleidung, Segeltuch und Fischernetze gefertigt.
- Brennnesselsamen gelten in der Küche als aromatische Zutat und werden geröstet über Salate, Müsli oder Gemüsegerichte gestreut.
Fazit
Die Brennnessel ist weit mehr als ein vermeintliches Unkraut. Sie zählt zu den vielseitigsten Wildpflanzen Mitteleuropas und vereint Nahrungsmittel, Heilpflanze, Faserlieferantin und wertvolle Insektenweide in einer einzigen Art. Dank ihres hohen Nährstoffgehalts, ihrer vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten und ihrer großen ökologischen Bedeutung verdient sie einen festen Platz in jedem Wildkräuter-Nachschlagewerk.


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