Löwenzahn

Wildkraut Löwenzahn

Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Der Löwenzahn gehört zu den bekanntesten Wildkräutern Europas. Kaum eine andere Pflanze ist so vielseitig verwendbar: Blätter, Blüten, Knospen und Wurzeln können in Küche und Naturheilkunde genutzt werden. Bereits im zeitigen Frühjahr liefert er wertvolle Vitamine und Bitterstoffe und zählt deshalb zu den klassischen Frühjahrskräutern.

Sein tiefer Pfahlwurzelstock erschließt auch nährstoffarme Böden, während seine leuchtend gelben Blüten eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten darstellen.

Botanische Merkmale

  • Botanischer Name: Taraxacum officinale
  • Familie: Korbblütler (Asteraceae)
  • Wuchshöhe 10–40 cm

Blätter

  • grundständige Blattrosette
  • tief gezähnt
  • unterschiedlich stark eingeschnitten
  • milchsaftführend

Blüten

  • goldgelb
  • einzeln auf hohlem Stängel
  • öffnen sich bei Sonnenschein
  • Blütezeit meist April bis Juni, oft Nachblüte bis Oktober

Früchte

  • bekannte Pusteblume
  • Samen mit Fallschirm (Pappus)

Wurzel

  • kräftige Pfahlwurzel
  • bis über 50 cm tief
  • Verbreitung und Standort

Löwenzahn wächst nahezu überall:

  • Wiesen
  • Wegränder
  • Gärten
  • Parks
  • Äcker
  • Böschungen
  • Ruderalflächen

Er bevorzugt:

  • nährstoffreiche Böden
  • sonnige bis halbschattige Standorte

Erntekalender

VerwendungJFMAMJJASOND
junge Blätter       
Blüten         
Knospen          
Wurzeln      

Beste Erntezeit

Blätter: März bis Anfang Mai

Blüten: April bis Juni

Wurzeln: Herbst oder zeitiges Frühjahr

Inhaltsstoffe

Die Pflanze enthält unter anderem:

  • Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone)
  • Inulin (vor allem in der Wurzel)
  • Kalium
  • Calcium
  • Magnesium
  • Eisen
  • Vitamin A
  • Vitamin C
  • Vitamin K
  • Flavonoide
  • Carotinoide
  • Gerbstoffe

Heilkundliche Verwendung

Der Löwenzahn gehört zu den klassischen Heilpflanzen Europas.

Traditionell eingesetzt bei:

  • Appetitlosigkeit
  • Völlegefühl
  • Verdauungsbeschwerden
  • träger Verdauung
  • Unterstützung der Leberfunktion
  • Förderung des Gallenflusses
  • Anregung der Harnausscheidung

Die Bitterstoffe regen die Bildung von Verdauungssäften an. Deshalb wird Löwenzahn häufig im Frühjahr als Bestandteil einer bitterstoffreichen Ernährung geschätzt.

Hinweis: Für einige dieser Anwendungen gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, viele beruhen jedoch weiterhin auf langjähriger traditioneller Verwendung.

Verwendung in der Küche

Nahezu alle Pflanzenteile sind essbar.

Blätter

  • Wildkräutersalat
  • Kräuterquark
  • Pesto
  • Smoothies
  • Suppen

Junge Blätter schmecken deutlich milder als ältere.

Blüten

  • Sirup
  • Gelee
  • Löwenzahnhonig (veganer Brotaufstrich)
  • Dekoration
  • Wein

Knospen

  • eingelegt als „falsche Kapern“

Wurzeln

  • geröstet als Kaffeeersatz
  • Gemüse
  • Tee

Konservierung

Geeignet sind:

  • Einfrieren der Blätter
  • Trocknen für Tee
  • Einlegen der Knospen
  • Sirup
  • Gelee
  • Kräutersalz
  • Essig
  • Rösten der Wurzeln

Geschichte

  • Löwenzahn wurde bereits im Mittelalter in Klostergärten kultiviert.
  • Hildegard von Bingen und spätere Kräuterkundige erwähnten bitterstoffhaltige Pflanzen als Unterstützung der Verdauung. Im 19. Jahrhundert gehörte Löwenzahn in vielen Regionen zu den wichtigsten kostenlosen Frühjahrsgemüsen.
  • Während der Weltkriege wurden die Wurzeln häufig als Kaffeeersatz geröstet.
  • Heute erlebt die Pflanze im Zuge der Wildkräuterbewegung eine Renaissance.

Verwechslungsgefahr

Löwenzahn kann mit anderen gelb blühenden Korbblütlern verwechselt werden.

Unterscheidungsmerkmale:

  • nur eine Blüte pro hohlem Stängel
  • weißer Milchsaft
  • grundständige Blattrosette
  • typische Pusteblume

Mit Habichtskräutern, Ferkelkräutern oder Pippau-Arten sind Verwechslungen möglich. Diese gelten jedoch ebenfalls nicht als stark giftig.

Risiken und Gegenanzeigen

Löwenzahn gilt als gut verträglich.

Zu beachten sind:

  • Allergien gegen Korbblütler können zu Haut- oder Schleimhautreaktionen führen.
  • Bei Verschluss der Gallenwege oder akuten Gallenentzündungen sollte Löwenzahn nicht ohne ärztliche Abklärung verwendet werden.
  • Die harntreibende Wirkung kann bei empfindlichen Personen verstärkt auftreten.
  • Der Milchsaft kann bei empfindlicher Haut gelegentlich Reizungen verursachen.

Ökologischer Wert

Der Löwenzahn gehört zu den wichtigsten Frühjahrsblühern.

Seine Blüten liefern reichlich:

  • Nektar
  • Pollen

für:

  • Honigbienen
  • Wildbienen
  • Hummeln
  • Schwebfliegen
  • zahlreiche Käfer

Auch viele Vogelarten nutzen später die Samen als Nahrung.

Fazit

Der Löwenzahn ist weit mehr als ein vermeintliches Unkraut. Er vereint Heilpflanze, Wildgemüse, Bienenweide und Bodenverbesserer in einer einzigen Art. Besonders im Frühjahr liefern seine jungen Blätter wertvolle Bitterstoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Mit seinen vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten in Küche und Volksheilkunde zählt er zu den bedeutendsten heimischen Wildkräutern und ist ein idealer Bestandteil eines naturnahen Gartens.

Der Löwenzahn gehört – zusammen mit Brennnessel, Giersch und Spitzwegerich – zu den „großen Vier“ der heimischen Wildkräuter.


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