Die Melden (Atriplex-Arten) sind ein interessantes Thema, weil sie eng mit dem Weißen Gänsefuß verwandt sind und häufig verwechselt werden. Tatsächlich waren auch sie über Jahrhunderte ein wichtiges Blattgemüse.
Melde (Atriplex spp.)
Kurzprofil
- Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
- Gattung: Melden (Atriplex)
- Wissenschaftlicher Name: Atriplex spp.
- Lebensdauer: einjährig (die meisten Arten), wenige mehrjährig
- Wuchshöhe: 20 cm bis 2 m (je nach Art)
- Blütezeit: Juli bis Oktober
- Standorte: Äcker, Gärten, Wegränder, Schuttplätze, Küstenregionen, salzhaltige Böden
- Häufigkeit: häufig
Wichtige Arten
In Mitteleuropa begegnet man vor allem:
- Weiße Melde (Atriplex patula)
- Spreizende Melde (Atriplex prostrata)
- Glanz-Melde (Atriplex sagittata)
- Gartenmelde (Atriplex hortensis) (alte Kulturpflanze)
- Stiel-Melde (Atriplex longipes) (vor allem küstennah)
Für die Küche eignen sich mehrere Arten.
Erkennungsmerkmale
Blätter
- wechselständig
- häufig dreieckig oder pfeilförmig
- oft leicht gezähnt
- silbrig-grau oder leicht mehlig wirkend
- häufig glänzend
Der silbrige Schimmer entsteht durch kleine Bläschen auf der Blattoberfläche.
Stängel
- aufrecht
- kräftig
- häufig verzweigt
- grün bis rötlich
Blüten
- klein
- grün
- unscheinbar
- dichte Blütenstände
Windbestäubung.
Samen
- flach
- dunkel
- rundlich
- lange keimfähig
Verwechslungsmöglichkeiten
- Weißer Gänsefuß
Der häufigste Doppelgänger.
Unterschiede:
Weißer Gänsefuß
- mehlig besonders auf der Blattunterseite
- Blätter meist rautenförmig
- weniger silbrig
Melde
- silbrig glänzende Blätter
- häufig pfeilförmige Blattbasis
- Blätter oft etwas fleischiger
Gartenmelde
- Wird häufig bewusst angebaut.
Besonderheiten:
- deutlich größere Blätter
- rot- oder dunkelgrüne Sorten
- besonders zart
Standort
Melden bevorzugen
- stickstoffreiche Böden
- nährstoffreiche Gärten
- Ackerränder
- Kompostplätze
- Flussufer
- salzhaltige Böden (einige Arten)
Viele Arten gelten ebenfalls als Stickstoffzeiger.
Sammelzeit
| Pflanzenteil | Monate |
| junge Blätter | April–Juni |
| größere Blätter | bis August |
| Triebspitzen | Mai–Juli |
| Samen | August–Oktober |
Inhaltsstoffe
- Vitamin C
- Beta-Carotin
- Vitamin K
- Kalium
- Calcium
- Magnesium
- Eisen
- Eiweiß
- Ballaststoffe
- Flavonoide
Außerdem
- Oxalsäure
- Nitrat (standortabhängig)
Verwendung in der Küche
Die Melde war lange Zeit das wichtigste Blattgemüse Europas, bevor der Spinat weite Verbreitung fand.
Verwendet werden
- junge Blätter
- Triebspitzen
- junge Pflanzen
- Samen (selten)
Geschmack
Zwischen
- Spinat
- Mangold
- leicht nussig
Die Gartenmelde gilt als besonders mild.
Verwendung
- Wildspinat
- Salate (junge Blätter)
- Gemüse
- Aufläufe
- Quiche
- Kräuterfüllungen
- Smoothies (kleine Mengen)
- Suppen
Heilpflanzliche Bedeutung
Historisch wurde Melde verwendet
- als mineralstoffreiches Gemüse
- zur Förderung der Verdauung
- äußerlich bei Hautreizungen
Heute spielt sie in der Pflanzenheilkunde kaum noch eine Rolle.
Vorsicht
Wie viele Blattgemüse enthält auch Melde
- Oxalsäure
- Nitrat (abhängig vom Standort und der Düngung)
Empfehlungen:
- bevorzugt junge Pflanzen sammeln
- nicht unmittelbar an Straßen oder intensiv gedüngten Feldern ernten
- abwechslungsreich mit anderen Wildgemüsen verwenden
- Menschen mit Neigung zu Nierensteinen oder bestimmten Nierenerkrankungen sollten größere Mengen meiden.
Ökologische Bedeutung
Melden bieten Nahrung für
- Wildvögel
- Finken
- Ammern
- verschiedene Schmetterlingsraupen
- Blattkäfer
- Wildbienen (vor allem über Pollen)
Die Samen sind eine wichtige Nahrungsquelle für Körnerfresser im Herbst und Winter.
Historisches
Bereits in der Antike wurden Melden als Gemüse genutzt. Im Mittelalter gehörten sie in vielen Bauerngärten zum festen Bestand. Mit der zunehmenden Verbreitung des Spinats verloren sie an Bedeutung und wurden vielerorts als Unkraut angesehen.
Heute erlebt insbesondere die Gartenmelde eine Renaissance im naturnahen Gemüseanbau. Ihre roten und grünen Sorten sind nicht nur schmackhaft, sondern auch dekorativ und lassen sich leicht im eigenen Garten kultivieren.
Verwendungskalender
| Monat | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
| Junge Blätter | – | – | (●) | ● | ● | ● | ○ | – | – | – | – | – |
| Ältere Blätter | – | – | – | ○ | ● | ● | ● | ● | – | – | – | – |
| Triebspitzen | – | – | – | ○ | ● | ● | ● | ○ | – | – | – | – |
| Samen | – | – | – | – | – | – | ○ | ● | ● | ● | ○ | – |
Legende: ● = Hauptsaison · ○ = eingeschränkt möglich · – = nicht üblich
Fazit
Die Melden gehören zu den ältesten Blattgemüsen Europas und verdienen weit mehr Aufmerksamkeit, als sie heute erhalten. Sie sind robust, nährstoffreich und vielseitig verwendbar. Besonders die Gartenmelde zeigt, dass eine alte Kulturpflanze auch heute noch einen festen Platz im Gemüsebeet und in der Küche haben kann.


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