Die Schafgarbe gehört zu den wichtigsten heimischen Wildkräutern. Sie ist nicht nur eine hervorragende Heilpflanze, sondern auch ein vielseitiges Würz- und Wildgemüse.
Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium)
Kurzprofil
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Gattung: Schafgarben (Achillea)
- Lebensdauer: mehrjährig
- Wuchshöhe: 20–80 cm, gelegentlich bis 1 m
- Blütezeit: Juni bis Oktober
- Samenreife: August bis Oktober
- Standorte: Wiesen, Weiden, Wegränder, Magerrasen, Böschungen, Gärten
- Häufigkeit: sehr häufig
Erkennungsmerkmale
Blätter
- wechselständig
- schmal und länglich
- zwei- bis dreifach gefiedert
- sehr fein zerteilt
Die vielen kleinen Blattabschnitte verleihen der Pflanze ihr charakteristisches, fast farnartiges Aussehen. Der Artname millefolium bedeutet wörtlich „tausend Blätter“.
Beim Zerreiben verströmen die Blätter einen würzig-aromatischen Duft.
Stängel
- aufrecht
- kantig
- fein behaart
- meist unverzweigt
Blüten
- kleine weiße bis zart rosafarbene Blütenköpfchen
- zahlreiche Blüten bilden einen flachen, tellerförmigen Blütenstand
- Blütezeit über mehrere Monate
Wurzel
- kriechendes Rhizom
- bildet mit der Zeit größere Bestände
Verwechslungsmöglichkeiten
- Hundskamille
Ähnlicher Blütenstand, jedoch:
- andere Blätter
- unangenehmer Geruch
- Wilde Möhre
Vor der Blüte teilweise ähnlich.
Unterschied:
- deutlich gröbere Blätter
- Möhrengeruch
- später typische Doldenblüten
- Gefleckter Schierling
Junge Pflanzen können oberflächlich ähnlich wirken.
Unterschiede:
- glatter, gefleckter Stängel
- unangenehmer Geruch
- Doldenblüten statt Körbchenblüten
Im Zweifel niemals sammeln.
Standort
Die Schafgarbe bevorzugt
- sonnige Wiesen
- Weiden
- Wegränder
- Magerrasen
- Böschungen
- trockene Gärten
Sie gilt als Tiefwurzler und verträgt Trockenheit ausgesprochen gut.
Sammelzeit
| Pflanzenteil | Monate |
| junge Blätter | März–Mai |
| Triebspitzen | April–Juni |
| Blüten | Juni–September |
| ganze Blütendolden | Juni–August |
Inhaltsstoffe
- ätherische Öle
- Bitterstoffe
- Flavonoide
- Gerbstoffe
- Cumarine
- Kalium
- Vitamin C
- Mineralstoffe
- Achillein
Verwendung in der Küche
Verwendet werden
- junge Blätter
- Triebspitzen
- Blüten
- Geschmack
- würzig
- leicht bitter
- aromatisch
- etwas pfeffrig
Die Blätter erinnern entfernt an eine Mischung aus Petersilie, Estragon und etwas Salbei.
Verwendung
- Kräuterbutter
- Kräuterquark
- Salate
- Wildkräuter-Pesto
- Suppen
- Gemüsegerichte
- Kräutersalz
- Kräuteressig
- Kräuteröl
Die Blüten eignen sich hervorragend als essbare Dekoration.
Heilpflanzliche Bedeutung
Die Schafgarbe zählt zu den bedeutendsten Heilpflanzen Europas.
Traditionell verwendet bei
- Verdauungsbeschwerden
- Appetitlosigkeit
- Völlegefühl
- krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden
- leichten Entzündungen
- kleinen Wunden
Äußerlich wird sie in Umschlägen oder Bädern angewendet.
Viele ihrer traditionellen Anwendungsgebiete werden heute durch die Kommission E und die ESCOP grundsätzlich anerkannt, insbesondere im Bereich leichter Verdauungsbeschwerden und krampfartiger Beschwerden.
Vorsicht
Die Schafgarbe gilt grundsätzlich als gut verträglich.
Zu beachten:
- mögliche Kontaktallergien bei empfindlichen Personen, insbesondere bei Allergien gegen andere Korbblütler (z. B. Kamille, Beifuß oder Arnika)
- ätherische Öle können selten Hautreizungen verursachen
- Während Schwangerschaft und Stillzeit werden größere medizinische Anwendungen vorsorglich nur nach fachlicher Rücksprache empfohlen.
Ökologische Bedeutung
Die Schafgarbe gehört zu den wertvollsten heimischen Insektenpflanzen.
Sie bietet Nahrung für
- Wildbienen
- Honigbienen
- Schwebfliegen
- Schmetterlinge
- Käfer
Über 100 Insektenarten nutzen sie als Nahrungsquelle oder Lebensraum.
Historisches
Der botanische Name Achillea geht auf den griechischen Helden Achilles zurück. Der Überlieferung nach soll er die Pflanze zur Versorgung der Wunden seiner Krieger verwendet haben. Ob diese Geschichte historisch zutrifft, ist zwar nicht gesichert, sie zeigt aber, welch hohes Ansehen die Schafgarbe bereits in der Antike genoss.
Auch in den Klostergärten des Mittelalters gehörte sie zu den wichtigsten Heilpflanzen und wurde später in nahezu jedem Bauerngarten kultiviert.
Verwendungskalender
| Monat | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
| Junge Blätter | – | – | ○ | ● | ● | ○ | – | – | – | – | – | – |
| Triebspitzen | – | – | – | ○ | ● | ● | – | – | – | – | – | – |
| Blüten | – | – | – | – | ○ | ● | ● | ● | ● | ○ | – | – |
Legende: ● = Hauptsaison · ○ = eingeschränkt möglich · – = nicht üblich
Fazit
Die Gemeine Schafgarbe vereint auf beeindruckende Weise die Eigenschaften einer Wildgemüse-, Gewürz- und Heilpflanze. Sie ist robust, weit verbreitet und leicht zu erkennen. Wer nur wenige Wildkräuter kennenlernen möchte, sollte der Schafgarbe einen festen Platz einräumen. Aufgrund ihrer langen Blütezeit und ihres hohen ökologischen Werts ist sie zudem eine Bereicherung für jeden naturnahen Garten.


Schreibe einen Kommentar