Gänseblümchen (Bellis perennis)
Das Gänseblümchen gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Es ist nahezu in ganz Europa verbreitet und begleitet den Menschen seit Jahrhunderten als Heilpflanze, Wildgemüse und Frühlingsbote. Aufgrund seiner langen Blütezeit zählt es zu den wichtigsten Nahrungsquellen für frühe Insekten.
Botanische Merkmale
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Lebensdauer: ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchshöhe: 5–20 cm
- Blütezeit: Februar bis November, in milden Wintern nahezu ganzjährig
- Blütenfarbe:
- weiße Zungenblüten
- oft rosa überhauchte Spitzen
- gelbe Röhrenblüten in der Mitte
Bestimmungsmerkmale
- bodennahe Blattrosette
- spatelförmige Blätter
- leicht gezähnter oder glatter Blattrand
- blattloser Blütenstiel
- einzelne Blütenköpfchen
- Blüten schließen sich nachts und bei Regen
Verwechslungsmöglichkeiten
Eine gefährliche Verwechslung ist kaum bekannt.
Verwechselt werden kann es allenfalls mit:
- anderen kleinen Korbblütlern
- jungen Habichtskräutern
- jungen Ferkelkräutern
Die typische Blattrosette und das einzelne Blütenköpfchen machen das Gänseblümchen jedoch leicht kenntlich.
Standort
- Wiesen
- Rasen
- Wegränder
- Gärten
- Parks
- kurz gehaltene Grünflächen
Es verträgt häufiges Mähen außerordentlich gut.
Essbarkeit
Essbar: Ja – die ganze Pflanze.
Verwendet werden:
- junge Blätter
- Blüten
- Knospen
- gelegentlich auch Wurzeln
Geschmack
Blätter:
- mild
- leicht nussig
- etwas herb
Blüten:
- mild
- leicht süßlich
- dekorativ
Knospen:
- leicht würzig
Verwendung in der Küche
Blüten:
- Salatdekoration
- Butterbrote
- Kräuterquark
- Desserts
- Kräuterbutter
Blätter:
- Wildkräutersalat
- Frühlingssuppe
- Kräuterbutter
- Pesto
- Smoothies
Knospen:
- eingelegt als „falsche Kapern“
Inhaltsstoffe
Enthält unter anderem:
- Vitamin C
- Kalium
- Calcium
- Magnesium
- Gerbstoffe
- Bitterstoffe
- Flavonoide
- Saponine
- Schleimstoffe
Heilkundliche Bedeutung
In der Volksheilkunde gilt das Gänseblümchen als:
- leicht entzündungshemmend
- auswurffördernd
- stoffwechselanregend
- wundheilungsfördernd
- harntreibend
Es wird traditionell als Tee oder Frischpflanze verwendet. Die wissenschaftliche Evidenz für einzelne Anwendungen ist begrenzt, die Pflanze gilt jedoch als gut untersucht und wird in der europäischen Kräuterkunde seit Langem genutzt.
Historische Bedeutung
- Bereits im Mittelalter wurde das Gänseblümchen in Klostergärten kultiviert.
- Sebastian Kneipp empfahl es unter anderem zur Unterstützung des Stoffwechsels.
- In der Volksmedizin wurde es häufig als „Arnika der Kinder“ bezeichnet, weil es bei kleineren Prellungen und Verletzungen eingesetzt wurde – allerdings ersetzt es die echte Arnika in ihrer Wirkung nicht.
Ökologische Bedeutung
Das Gänseblümchen gehört zu den wichtigsten Frühblühern.
Es liefert:
- Pollen
- Nektar
für zahlreiche Wildbienen, Schwebfliegen und andere Insekten – insbesondere in einer Jahreszeit, in der das Blütenangebot noch begrenzt ist.
Erntekalender
| Pflanzenteil | Monate |
| junge Blätter | März – Oktober |
| Blüten | Februar – November |
| Knospen | März – Juni |
| Wurzeln | Herbst |
Verwendungskalender
| Monat | Verwendung |
| Januar | regional Blüten |
| Februar | ★ erste Blüten |
| März | ★★★ Blätter und Blüten |
| April | ★★★ beste Ernte |
| Mai | ★★★ |
| Juni | ★★★ |
| Juli | ★★★ |
| August | ★★★ |
| September | ★★★ |
| Oktober | ★★ |
| November | ★ Blüten (milde Witterung) |
| Dezember | regional möglich |
Sammelhinweise
Nicht sammeln:
an stark befahrenen Straßen
- auf intensiv gedüngten Flächen
- auf Hundewiesen oder stark frequentierten Parkanlagen
- Ideal sind naturbelassene Gartenwiesen oder extensiv gepflegte Wiesen.
Interessantes
Das Gänseblümchen folgt dem Tagesrhythmus: Seine Blüten öffnen sich morgens mit dem Licht und schließen sich am Abend oder bei Regen. Daher stammt auch sein englischer Name „Daisy“, der sich aus day’s eye („Auge des Tages“) entwickelt hat.
In einem Hühnerauslauf verschwinden Gänseblümchen oft schneller als viele andere Wiesenpflanzen. Da Gänseblümchen sehr regenerationsfähig sind, kommen sie auch schnell wieder.


Schreibe einen Kommentar