Ackerwinde

Wildkraut Ackerwinde

Ackerwinde (Convolvulus arvensis)

Die Ackerwinde gehört zur Familie der Windengewächse (Convolvulaceae). Sie zählt zu den bekanntesten und zugleich umstrittensten Wildpflanzen Mitteleuropas. Durch ihre tief reichenden Wurzeln und langen Ausläufer kann sie sich rasch ausbreiten und gilt im Ackerbau als eines der hartnäckigsten Wurzelunkräuter. Gleichzeitig sind ihre Blüten eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten.

Steckbrief

MerkmalBeschreibung
Deutscher NameAckerwinde
Wissenschaftlicher NameConvolvulus arvensis

Familie Windengewächse (Convolvulaceae)

WuchsformMehrjährige, kriechende und windende Pflanze
Höhe20–120 cm
BlüteWeiß bis zartrosa, trichterförmig
BlütezeitMai bis Oktober
LebensdauerMehrjährig

Erkennungsmerkmale

  • dünne, windende Triebe
  • pfeilförmige Blätter mit zwei spitzen Grundlappen
  • weiße bis rosafarbene Trichterblüten (2–3 cm)
  • Blüten öffnen sich morgens und schließen sich bei Regen oder am Abend
  • bildet lange unterirdische Wurzelausläufer

Standort

  • Äcker
  • Gemüsegärten
  • Weinberge
  • Wegränder
  • Brachflächen
  • Böschungen

Sie wächst bevorzugt auf:

  • sonnigen Standorten
  • lockeren bis lehmigen Böden
  • nährstoffreichen Böden

Sie verträgt Trockenheit erstaunlich gut.

Sammelzeit

PflanzenteilMonate
junge TriebeApril–Juni
BlätterMai–August
BlütenJuni–September
Wurzeln (historisch)Herbst

Verwendung in der Küche

Die Ackerwinde gehört nicht zu den üblichen Wildgemüsepflanzen.

Junge Blätter wurden regional vereinzelt als Kochgemüse verwendet, spielen heute jedoch praktisch keine Rolle. Für die Küche wird sie nicht empfohlen.

Inhaltsstoffe

  • Harzglykoside
  • Flavonoide
  • Gerbstoffe
  • Schleimstoffe
  • geringe Mengen Alkaloide
  • verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe

Heilpflanze

In der historischen Volksmedizin wurde die Ackerwinde unter anderem verwendet als:

  • mildes Abführmittel
  • harntreibendes Mittel
  • Unterstützung bei Leber- und Gallenbeschwerden
  • äußerlich bei Hautproblemen

Heute besitzt sie in der modernen Phytotherapie kaum noch Bedeutung. Wegen ihrer wirksamen Inhaltsstoffe sollte sie nicht in Eigenregie als Heilpflanze angewendet werden.

Bedeutung für Tiere

Die Blüten liefern reichlich Nektar. Besucher sind unter anderem:

  • Honigbienen
  • Wildbienen
  • Hummeln
  • Schwebfliegen
  • verschiedene Tag- und Nachtfalter

Einige Insektenarten sind auf Windengewächse spezialisiert, darunter die Raupen des Windenschwärmers (Agrius convolvuli).

Bedeutung für den Garten

Positiv:

  • lange Blütezeit
  • gute Bienenweide
  • schützt offene Böden vor Austrocknung

Negativ:

  • überwächst Kulturpflanzen
  • konkurriert um Wasser und Nährstoffe
  • sehr tiefes Wurzelsystem
  • kleinste Wurzelstücke können erneut austreiben
  • mechanische Bekämpfung ist oft langwierig

Im Nutzgarten gehört sie zu den schwierigsten Wildkräutern.

Verwechslungsgefahr

Zaunwinde (Calystegia sepium)

  • deutlich größere Blüten (4–7 cm)
  • kräftiger Wuchs
  • größere Blätter
  • häufig an Hecken und Zäunen

Junge Zaunwinde und Ackerwinde lassen sich anfangs leicht verwechseln.

Giftige Doppelgänger sind kaum bekannt.

Bekämpfung im Garten

Wer die Ackerwinde eindämmen möchte, benötigt Geduld. Bewährt haben sich:

  • regelmäßiges Abschneiden der Triebe
  • konsequentes Ausgraben möglichst großer Wurzelstücke
  • dichtes Mulchen
  • Konkurrenz durch Bodendecker
  • Vermeidung tiefen Umgrabens, da dadurch Wurzelstücke verteilt werden können
  • Eine vollständige Beseitigung gelingt oft erst nach mehreren Jahren konsequenter Pflege.

Kulturgeschichte

Die Ackerwinde begleitet den Ackerbau vermutlich seit mehreren tausend Jahren. Mit der Ausbreitung des Getreideanbaus verbreitete sie sich als sogenannter Kulturfolger über weite Teile Europas.

Bereits römische Autoren erwähnten Winden als lästige Begleitpflanzen landwirtschaftlicher Kulturen. In alten Kräuterbüchern wurde sie zugleich als Heilpflanze beschrieben.

Verwendungskalender            
MonatJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Junge Triebe(●)
Blätter
Blüten(●)

Interessantes

  • Die Hauptwurzel kann unter günstigen Bedingungen bis zu 2 Meter, vereinzelt sogar 3 Meter tief reichen.
  • Das unterirdische Wurzelsystem kann mehrere Meter weit neue Triebe bilden.
  • Die Blüten reagieren empfindlich auf Licht und Wetter und schließen sich bei Dunkelheit oder Regen.
  • Trotz ihres schlechten Rufes gehört die Ackerwinde zu den wichtigsten heimischen Nektarpflanzen des Hochsommers.

Fazit

Die Ackerwinde ist eine Pflanze mit zwei Gesichtern. Im Nutzgarten und in der Landwirtschaft zählt sie wegen ihres ausgedehnten Wurzelsystems zu den hartnäckigsten Wildkräutern Mitteleuropas. Gleichzeitig stellt sie eine wertvolle Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten dar und besitzt eine lange kultur- und medizingeschichtliche Tradition. Ihre Bewertung hängt daher wesentlich davon ab, ob man sie aus Sicht des Gärtners, des Landwirts oder des Naturschutzes betrachtet.


Kommentare

Ein Kommentar zu „Wildkraut Ackerwinde“

  1. Moin,danke für deine tolle Expertise.
    Das ermuntert mich diese Pflanze auf meinem Balkon als Fassadenbegrüner zu kultivieren.Die Ranken sollen vom Balkon(Großstadt,3.Etage,pralle Sonne)baumeln und für etwas Abkühlung sorgen.Das sie gegen Trockenheit resistent ist ist perfekt.
    Gruß vom Balkongärtner

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