Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum)
Der Schwarze Nachtschatten (Solanum nigrum) ist eine interessante Pflanze, weil sie einerseits als Ackerwildkraut verbreitet ist und andererseits seit Jahrhunderten sowohl als Heilpflanze als auch als Giftpflanze beschrieben wird. Entscheidend sind der Reifegrad der Pflanzenteile und die richtige Bestimmung.
Familie
- Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Weitere Namen
- Schwarzer Nachtschatten
- Gartennachtschatten
- Nachtschatten
- (regional) Hundsbeere
Bestimmungsmerkmale
Wuchsform
- Einjährige krautige Pflanze
- Höhe 20–80 cm
- Stark verzweigt
- Stängel grün bis leicht violett überlaufen
Blätter
- Eiförmig bis oval
- leicht gezähnter oder gewellter Rand
- wechselständig
- dunkelgrün
- weich
Blüten
- Juni bis Oktober
- weiß
- fünf zurückgeschlagene Blütenblätter
- gelbe Staubbeutel bilden einen auffälligen Kegel
Früchte
- kleine kugelige Beeren
- zunächst grün
- später glänzend schwarz
- etwa 6–10 mm Durchmesser
- wachsen in kleinen Trauben
Inhaltsstoffe (enthält unter anderem):
- Glykoalkaloide
- Solanin
- Solasonin
- Solamargin
- Flavonoide
- Gerbstoffe
- Vitamin C
- Carotinoide
- Anthocyane (reife Beeren)
Standort (bevorzugt):
- Gemüsegärten
- Äcker
- Kompostplätze
- Wegränder
- stickstoffreiche Böden
- sonnige bis halbschattige Lagen
Blütezeit
- Juni bis Oktober
Ernte
Historisch genutzt wurden:
- junge Blätter (nur nach sorgfältiger Zubereitung)
- vollständig reife schwarze Beeren
Heute wird eine Nutzung als Wildgemüse oder Heilpflanze wegen möglicher Verwechslungen und des Alkaloidgehalts im Allgemeinen nicht mehr empfohlen.
Verwendung
Historisch:
- gekochtes Wildgemüse
- Umschläge
Volksmedizin heute
- überwiegend botanisch interessant
- keine allgemeine Empfehlung zum Verzehr
Heilwirkungen (traditionell)
Dem Schwarzen Nachtschatten wurden zugeschrieben:
- entzündungshemmend
- schmerzlindernd
- krampflösend
- beruhigend
- fiebersenkend
Für diese Anwendungen gibt es heute nur eine begrenzte wissenschaftliche Evidenz. In der modernen Phytotherapie spielt die Pflanze kaum noch eine Rolle.
Vorsicht
Alle grünen Pflanzenteile enthalten Glykoalkaloide.
Besonders kritisch:
- unreife grüne Beeren
- junge Triebe
- größere Mengen Blätter
Mögliche Symptome:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Bauchschmerzen
- Durchfall
- Benommenheit
- neurologische Beschwerden
Schwere Vergiftungen sind selten, aber möglich.
Verwechslungsmöglichkeiten
- Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara)
Unterschiede:
- kletternd
- violette Blüten
- rote Beeren
- Tollkirsche (Atropa belladonna)
Deutlich giftiger.
Unterschiede:
- große glockenförmige Blüten
- einzelne große Beeren
- wesentlich größere Pflanze
Kartoffel (Solanum tuberosum)
- Nahe verwandt.
- Die Blüten ähneln sich deutlich.
Bedeutung für Tiere
Die Beeren werden von zahlreichen Vogelarten gefressen.
Dadurch erfolgt eine weite Samenverbreitung.
Ökologischer Nutzen
Die Blüten liefern Nahrung für:
- Wildbienen
- Schwebfliegen
- Käfer
Die Früchte sind für verschiedene Vogelarten eine Nahrungsquelle.
Verwendung in der Küche
Eine Verwendung wird heute im Allgemeinen nicht empfohlen.
Historisch wurden in einigen Regionen:
- junge gekochte Blätter
- vollständig reife schwarze Beeren
verzehrt. Wegen der schwierigen Unterscheidung zu giftigen Pflanzenteilen und ähnlichen Arten raten Fachstellen jedoch vom Sammeln für Speisezwecke ab.
Monatsübersicht
| Monat | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
| Blätter | ○ | ● | ● | ● | ○ | |||||||
| Blüte | ● | ● | ● | ● | ● | |||||||
| Reife Beeren | ○ | ● | ● | ○ |
Legende: ● = Hauptzeit ○ = vereinzelt
Bemerkungen
Der Schwarze Nachtschatten zeigt gut, dass die Einteilung in „essbar“ oder „giftig“ oft zu einfach ist. Historisch wurde er in verschiedenen Kulturen sowohl als Gemüse als auch als Heilpflanze genutzt. Wegen des schwankenden Gehalts an Glykoalkaloiden, möglicher Verwechslungen und der heute verfügbaren unbedenklichen Alternativen wird seine Verwendung jedoch nicht mehr empfohlen. Für ein Wildkräuter-Nachschlagewerk ist er vor allem als häufiges Ackerwildkraut mit interessanter Kulturgeschichte und als Beispiel für den verantwortungsvollen Umgang mit Pflanzen wertvoll.


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